Obwohl die politischen Entscheidungsträger immer wieder auf die Bedeutung der vierten industriellen Revolution hinweisen, kommt ihre Botschaft beim Mittelstand nur unzureichend an. So profitieren beispielsweise nur wenige „echte“ KMUs von den Industrie 4.0-Fördertöpfen der Bundesregierung. Neben bürokratischen Hürden, die viele Unternehmen abschrecken dürften, sind die Initiativen wahrscheinlich einfach nicht ausreichend bekannt.
Und nicht nur diese Initiativen bleiben im Dunkeln. Auch der Begriff „Industrie 4.0“ scheint mehr oder weniger ungehört durch die Medien zu rauschen. Laut einer aktuellen Umfrage können fast zwei Drittel der mittelständischen Fertigungsunternehmen in der DACH-Region mit dem Begriff „Industrie 4.0“ nichts anfangen. Die Studie des Analysehauses Techconsult aus dem Jahr 2014 verdeutlicht dieses Problem und zeigt auf, dass der Mittelstand – als Rückgrat der deutschen Wirtschaft – das zentrale Zukunftsthema zu verschlafen droht. Das ist höchst bedenklich. Selbst wenn viele KMUs, die mit dem Begriff nichts anfangen können, möglicherweise Produkte fertigen, die als Keimzellen der Industrie 4.0 gelten, zeigt allein die Tatsache, dass der Begriff bei vielen Entscheidungsträgern in kleinen und mittelständischen Unternehmen keinen Inhalt hat, wie wenig konkrete Vorstellungen sie von ihrer eigenen Zukunft zu haben scheinen.
Innovativ ist, wer über das eigene System hinausdenkt und handelt. Das klingt einfach und selbstverständlich. Doch wie ein einfacher Kreativtest immer wieder zeigt, haben viele Menschen damit Schwierigkeiten. Beim sogenannten Neun-Punkte-Test gelingt es vielen nicht, die neun vorgegebenen Punkte mit nur vier geraden Linien zu verbinden, ohne den Stift abzusetzen. Nur diejenigen, die aus dem System ausbrechen und die Linien über die Punkte hinausziehen, finden eine Lösung.
Unternehmen, die Maschinen entwickeln, sollten daher nicht nur die Funktionen und Prozesse berücksichtigen, die sie entwickeln möchten. Sie sollten im kreativen Denk- und Konstruktionsprozess auch weiterführende Ideen, Gedanken und Fragen zulassen. Auch wenn Industrie 4.0 momentan noch als unscharfe Vision diskutiert wird, kann sie bereits jetzt interessante Menschen und interdisziplinäre Kompetenzen zusammenbringen und neue Ideen anstoßen.
Es gilt immer wieder, Bestehendes zu hinterfragen: Warum müssen Maschinen zum Beispiel zwingend in ein Gebäude integriert werden? Warum nicht als autarke Systeme, die ihr „Haus“ wie eine Schnecke gleich mitbringen? Die Vorteile solcher „obdachlosen“ Maschinen wären erheblich: geringere Investitionen in die Infrastruktur, größere Flexibilität und Mobilität für die produzierenden Unternehmen sowie ein schnellerer Produktionsstart.
Die deutschen Maschinenbauer gelten weltweit als innovativ, doch Insider der Branche sind immer wieder überrascht, wie viele Unternehmen sich auf ihrem Vorsprung ausruhen. Eine gefährliche Strategie, die die eigene Existenz gefährden kann. Firmen, die an den Entwicklungen der Zukunft teilhaben wollen, müssen daher unbedingt ihre gewohnten Denk- und Handlungsmuster hinter sich lassen. Sie brauchen tragfähige Zukunftsvorstellungen. Diese zu entwickeln, gelingt oft nicht ohne Unterstützung. In Baden-Württemberg hilft zum Beispiel der Landesverband Mechatronik e.V. gemeinsam mit verschiedenen Partnern Maschinenbauern, neue Impulse zu bekommen. So wurde beispielsweise ein Workshop zum Thema „Maschine der Zukunft“ ins Leben gerufen, an dem ausgewählte Entscheidungsträger aus der Industrie teilnahmen. Gemeinsam diskutierten sie, was eine ideale Maschine für ihre Kunden sein könnte. Dabei war es bewusst nicht von Bedeutung, was aktuell technisch umsetzbar ist und was nicht. Die gewonnenen Erkenntnisse sind mittlerweile für die gesamte Branche zugänglich. Denn an dem Beispiel der „Maschine der Zukunft“ erkennen die Unternehmen sehr gut, dass sie größer denken und handeln müssen, um ihren internationalen Wettbewerbsvorsprung nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen. Mit einer klaren Vision kommen immer auch die technischen Lösungen – besonders in einem Land der Entwickler und Tüftler.
Produktdesign im Rahmen eines übergeordneten Corporate Designs muss zwei zunächst scheinbar widersprüchliche Eigenschaften vereinen: Es muss stabil sein, darf jedoch nicht starr werden. Denn auch das Design von Investitionsgütern veraltet im Laufe der Zeit. Je nach Innovationsgeschwindigkeit der Branche geschieht dies in unterschiedlichem Tempo: Neue Technologien, ergonomische Erkenntnisse und verbesserte Prozessabläufe bringen kontinuierliche Impulse, die in die Entwicklung von Anlagen oder Maschinen einfließen – und damit auch das Design beeinflussen. Deshalb kommt es nicht auf die Konsistenz einzelner Details wie Radiengrößen an, sondern auf den Kern – die grundlegende Aussage, die von einer Produktgeneration zur nächsten weitergegeben wird. Das bedeutet: Die Form kann sich in Teilen ändern, auch Proportionen können sich verschieben – solange das Produkt seinen grundlegenden Charakter behält.
Während viele Style Guides versuchen, jedes Detail festzulegen und zum unveränderlichen Dogma zu erklären, verfolgen wir bei Design Tech einen pragmatischeren und kreativeren Ansatz: die dynamische Designlinie. Sie definiert nur wenige zentrale Merkmale, während alles Weitere qualitativ beschrieben wird. So lässt sich die Formensprache an aktuelle Anforderungen anpassen, ohne die grundlegende Aussage zu verlieren. Das Neue muss Akzente setzen, ohne das Vorherige abzuwerten.
Ein eigenständiges Design von Investitionsgütern kann die Position des Kunden stärken, da es sofort erkennbar macht, von welchem Hersteller die Maschinen und Anlagen stammen. Auf diese Weise überträgt sich das positive Image des Herstellers auch auf den Betreiber des Maschinenparks.
Allerdings stößt dieses Prinzip manchmal an seine Grenzen: Wenn in den Werkhallen eines Unternehmens Maschinen verschiedener Hersteller nebeneinander stehen, kann ein „zu exaltiertes“ Design einzelner Geräte schnell zum visuellen Chaos führen. Aus diesem Grund sollten Zurückhaltung und Schlichtheit als oberste Designprinzipien gelten – ohne jedoch die Eigenständigkeit des Designs zu gefährden.
Dies lässt sich mit dem Charakter einer großen Persönlichkeit vergleichen: zurückhaltend und dennoch unverkennbar eigenständig, sympathisch und einzigartig. Diese Gratwanderung gelingt nur mit einem Höchstmaß an Erfahrung und formaler Sicherheit. Konsequentes Produktdesign, das auf einem klaren Corporate Design basiert, signalisiert Zuverlässigkeit, Seriosität und kulturelle Verantwortung. Das Design strahlt jedoch nicht nur nach außen zum Markt hin, sondern wirkt auch nach innen auf das Unternehmen selbst. Es stärkt die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen: Dieses präsentiert sich als starke Marke und wertet das Engagement der Mitarbeiter auf allen betrieblichen Ebenen auf.
ZUM UNTERNEHMEN: Design Tech arbeitet für Markt- und Technologieführer im Maschinenbau und in der Logistik, die Design als strategische Querschnittskompetenz verstehen. Design verkürzt Entwicklungszeiten, senkt Produktionskosten, verbessert und visualisiert Produkteigenschaften. Design Tech leistet genau das, was den Absatz beschleunigt und den Wettbewerbsvorsprung vergrößert.